Beide Begriffe beschreiben asymmetrische Kryptografie, also Verfahren mit einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel. Die Verwechslung entsteht, weil beide dieselben Aufgaben lösen: Schlüsselaustausch und digitale Signaturen.
RSA beruht auf der Schwierigkeit, große Zahlen in ihre Primfaktoren zu zerlegen. Klassische Rechner brauchen dafür praktisch untragbar lange, daher gilt RSA als sicher.
Post-Quanten-Kryptografie umfasst Verfahren, die auf mathematischen Problemen beruhen, für die keine effiziente Lösung bekannt ist – auch nicht für Quantencomputer. Statt Primfaktoren setzt sie auf andere Strukturen, etwa Gitter, bei denen Quantenrechner keine bekannte Abkürzung haben. Im August 2024 veröffentlichte das US-Normungsinstitut NIST die ersten drei Standards: FIPS 203 standardisiert ML-KEM für den Schlüsselaustausch, FIPS 204 ML-DSA für Signaturen.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Bedrohungsannahme. Heutige Verfahren werden durch einen ausreichend großen Quantencomputer mit Shors Algorithmus gebrochen; hinzu kommt „Harvest now, decrypt later“: heute aufgezeichneter Datenverkehr wird später entschlüsselt.
Faustregel: Wer langlebige Geheimnisse schützt, zum Beispiel Patientendaten einer Klinik, plant den Umstieg jetzt, nicht erst mit dem Quantenrechner. Der erste Schritt ist Krypto-Agilität: ein Inventar aller Verfahren, Schlüssel und Zertifikate, damit der Austausch ohne Neubau von Anwendungen gelingt.
Post-Quanten-Kryptografie heißt also nicht mehr Verschlüsselung, sondern verschärfte Mathematik gegen eine Maschine, die es noch nicht gibt.
📌 Gitter statt Primfaktoren · Harvest now, decrypt later · Krypto-Agilität
📚 Zukunftstechnologien verstehen · Tag 4 von 30
#Quantencomputing #postquantum #Cybersicherheit
Jemand kopiert heute einen verschlossenen Brieftransporter, Koffer für Koffer, ohne ihn zu öffnen. Über Jahre lagern die Koffer unangetastet in einem Lager. Eines Tages öffnet ein neuer Schlüssel alle Schlösser auf einmal.
Der Koffer ist die verschlüsselte Übertragung; asymmetrische Verschlüsselung sichert sie über ein Schlüsselpaar aus öffentlichem und privatem Schlüssel. Der neue Schlüssel ist ein Quantenrechner, der mit Shors Algorithmus Verfahren wie RSA und elliptische Kurven bricht.
Ein Netzwerkknoten zeichnet heute den verschlüsselten Datenverkehr einer Klinik mit. Bleibt die Abhörung unbemerkt, könnte eine spätere Entschlüsselung Patientendaten über Jahrzehnte offenlegen. Betroffen sind langlebige Geheimnisse wie Gesundheitsdaten, Staatsgeheimnisse oder lang laufende Verträge; Kurzlebiges wie Sitzungscookies ist weniger gefährdet.
Das Bild hat eine Grenze: Den Tresorraum lässt sich leer räumen, bevor der Schlüssel auftaucht. Aufgezeichnete Daten bleiben beim Angreifer, und nur heutige Verfahren können ihren Schutz ersetzen.
Wer abhörsensible Daten hat, muss vor dem Quantenrechner starten, nicht mit ihm. Seit August 2024 gibt es mit FIPS 203, 204 und 205 die ersten NIST-Standards für Post-Quanten-Kryptografie; FIPS 203 standardisiert ML-KEM für den Schlüsselaustausch. Hybride Verfahren kombinieren ein klassisches und ein Post-Quanten-Verfahren, sodass die Sicherheit bleibt, solange eines von beiden ungebrochen ist.
Verschlüsselung schützt nur so lange, wie das Geheimnis des Schlüssels. Wer heute verschiebt, schenkt dem Angreifer die Aufzeichnung.
📌 Harvest now, decrypt later · Post-Quanten-Kryptografie · Krypto-Agilität
📚 Zukunftstechnologien verstehen · Tag 4 von 30
#Quantencomputing #postquantum #Cybersicherheit
Nach den ersten Experimenten fällt auf, dass einfache Rechenaufgaben auf einem Quantenrechner nicht schneller laufen. Ergebnisse sind statistisch und brauchen viele Wiederholungen, sogenannte Shots, um verlässlich zu werden.
Ein Quantencomputer arbeitet nicht mit klassischen Bits, sondern mit Qubits, deren Überlagerung (Superposition) erst bei der Messung zu einem konkreten Wert kollabiert. Der Nutzen liegt nicht darin, alle Lösungen parallel auszuprobieren, sondern darin, dass Interferenz die Wahrscheinlichkeit der richtigen Antwort verstärkt und falsche unterdrückt. Das muss der Algorithmus gezielt ausnutzen – sonst misst man nur zufällige Einzelwerte.
Shors Algorithmus faktorisiert große Zahlen und löst diskrete Logarithmen (eine weitere mathematische Kernoperation heutiger Verschlüsselung) effizient, aber nur auf einem ausreichend großen, fehlerkorrigierten Quantenrechner – das bedroht RSA und elliptische Kurven. Grovers Algorithmus beschleunigt unstrukturierte Suche quadratisch; bei AES entspricht das grob einer Halbierung der effektiven Schlüssellänge, weshalb längere Schlüssel empfohlen werden. Heutige Geräte sind NISQ-Systeme (Noisy Intermediate-Scale Quantum, von Preskill 2018 geprägt): Dekohärenz (der Verlust der Qubit-Eigenschaften durch Störung) und Gatterfehler begrenzen die zuverlässige Operationszahl.
So prüft man es: Man fragt, ob für das konkrete Problem ein nachweisbarer Quantenvorteil existiert. Ohne einen solchen Nachweis bleibt die Aufgabe auf klassischer Hardware besser aufgehoben.
Ein Quantencomputer ist kein schnellerer Allzweckrechner, sondern ein Beschleuniger für umrissene Problemklassen.
📌 Quantenvorteil · Shor & Grover · NISQ-Grenzen
📚 Zukunftstechnologien verstehen · Tag 4 von 30
#Quantencomputing #postquantum #strategie
Verschlüsselung schützt Vertraulichkeit, eines der drei klassischen Schutzziele der Informationssicherheit neben Integrität und Verfügbarkeit. Wer die richtige Art wählt, entscheidet über Geschwindigkeit und darüber, wie Schlüssel überhaupt verteilt werden.
🔭 Ein gemeinsamer Schlüssel ver- und entschlüsselt dieselbe Nachricht. Das ist symmetrische Verschlüsselung, etwa mit dem Verfahren AES. Sie ist sehr schnell und eignet sich für große Datenmengen wie Festplatten oder Videoströme.
🧪 Ein Schlüsselpaar besteht aus einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel. Das ist asymmetrische Verschlüsselung, etwa mit RSA. Der öffentliche Schlüssel darf unbedenklich weitergegeben werden, denn damit kann man nur verschlüsseln, nicht entschlüsseln; nur der private Schlüssel öffnet die Nachricht wieder.
📐 In der Praxis kombiniert man beide, weil jedes seine Schwäche ausgleicht. Das Grundproblem der Symmetrie ist die Schlüsselverteilung: Über einen unsicheren Kanal darf man den geheimen Schlüssel nicht einfach übertragen. Deshalb überträgt man mit dem asymmetrischen Verfahren nur einen kleinen Sitzungsschlüssel, und die eigentlichen Daten laufen dann schnell symmetrisch.
Eine digitale Signatur dreht das Paar um: Sie wird mit dem privaten Schlüssel erzeugt und mit dem öffentlichen geprüft und belegt Herkunft und Unverändertheit.
Symmetrisch heißt nicht veraltet, sondern schnell, aber schwer zu verteilen. Asymmetrisch heißt nicht sicherer, sondern langsam, aber gut verteilbar.
📌 Gemeinsamer Schlüssel · Schlüsselpaar · Schlüsselverteilung
📚 Zukunftstechnologien verstehen · Tag 3 von 30
#Cybersicherheit #zerotrust #postquantum
Fehlerkorrektur braucht viele physische Qubits je logischem Qubit; Dekohärenz und Gatterfehler begrenzen die zuverlässig ausführbaren Operationen. Ein Quantencomputer ist keine schnellere Allzweckmaschine; Vorteile gibt es nur für bestimmte Problemklassen. Für die Migration zu Post-Quanten-Kryptografie gilt: Schlüsselaustausch und Signaturen zuerst, symmetrische Verfahren über angepasste Schlüssellängen.
#Quantencomputing #postquantum #Cybersicherheit #strategie