Das Paket wird in eine Halle gelegt, wartet auf den LKW, wird umgeladen, wartet wieder. Von Aufgabe bis Ankunft vergehen Tage. Nur Minuten davon ist das Paket tatsächlich in Bewegung. Betrachtet man nur die Bewegung, wirkt die Logistik blitzschnell. Die Wartezeit in den Ecken bleibt unsichtbar.
Im Lean-Denken, also der Schule schlanker Prozesse, heißt jede Aktivität ohne Wert für den Kunden Verschwendung, japanisch „muda“. Die sieben klassischen Arten nach Ohno sind Überproduktion, Warten, Transport, Überbearbeitung, Bestände, Bewegung und Fehler beziehungsweise Nacharbeit. Das ruhende Paket entspricht dem Warten, das Umladen dem Transport, also dem Weiterreichen von Dateien und Aufgaben zwischen Personen. Der volle Wagen mit wartenden Sendungen ist der Bestand, der Stapel unerledigter Vorgänge.
Konkret: Eine Urlaubsanfrage wandert per Mail von der Assistentin zur Teamleitung und weiter zur Personalabteilung. An jeder Station liegt sie zwei Tage, kommt wegen eines fehlenden Datums zurück und beginnt von vorn. An jeder Übergabe zwischen zwei Personen entsteht Wartezeit. Die Bearbeitungszeit beträgt wenige Minuten. Die Wertstromanalyse, eine Aufzeichnung aller Schritte mit Bearbeitungs- und Wartezeiten, macht genau das sichtbar.
Das Bild hat eine Grenze: Ein Paket braucht keine Nacharbeit, ein Bürovorgang schon. Und im Büro zählen auch Überbearbeitung und Bewegung, etwa Berichte, die niemand liest, und Wege zum Drucker. Für die Durchlaufzeit gilt trotzdem: Die Liegezeit dominiert, nicht die Arbeit selbst.
Verschwendung heißt nicht schlecht arbeiten, sondern Arbeiten ohne Wert: erst das Warten sehen, dann es abschaffen.
📌 Sieben Verschwendungsarten · Liegezeit schlägt Bearbeitungszeit · Übergaben minimieren
📚 Automatisierung von Grund auf · Tag 5 von 30
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