Lock-in (Anbieterabhängigkeit durch teuren Wechsel) und Markenvertrauen werden leicht verwechselt. Beide entstehen beim Einstieg, beide beruhigen. Doch Vertrauen sagt nichts über den Ausstieg.
Markenvertrauen ist eine Einschätzung: Der Anbieter wirkt etabliert, sicher, zukunftsfähig. Es ist ein Gefühl, keine messbare Größe. Beispiele sind ein bekanntes Logo oder eine große Nutzergemeinde. Solche Signale helfen bei der Auswahl, ersetzen aber keine Prüfung. Sie sagen nichts darüber, was ein Wechsel später kostet.
Lock-in bemisst sich an Wechselkosten: Daten herausholen, Schnittstellen umbauen, Prozesse umstellen, Personal umlernen. Vor jeder Entscheidung wird durchgespielt, wie ein Ausstieg konkret abliefe. Wer Daten in einem offenen, dokumentierten Format speichert, kann sie bei einem Wechsel direkt übernehmen. Ein Proprietärformat (herstellerspezifisches, undokumentiertes Format) erfordert erst eine aufwändige Konvertierung.
Gefühl ist eine Prognose über den Anbieter, Wechselkosten sind eine Rechnung über den Ausstieg. Hoher Lock-in verschiebt Kosten vom Einführungs- in den Abschaltungsblock (die Kosten der Abwicklung am Ende der Nutzung), weil der Ausstieg teurer wird als der Einstieg.
Faustregel: Spätestens vor jedem Vertrag die Exit-Frage schriftlich beantworten – Datenexport, Alternativanbieter, Übergangsbetrieb. Ist keine Antwort möglich, liegt der Preis der Abhängigkeit im Unklaren.
Lock-in heißt nicht, jeden Anbieter zu misstrauen. Er entsteht oft bewusst, weil sich eine Lösung schnell und günstig einführen lässt – und wird nur zum Risiko, wenn die Wechselkosten den Wechsel unvertretbar verteuern.
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